Korrespondenz International

Offener Brief an die Mitglieder des ENVI-Ausschuss des EU-Parlaments

Paris, Hannover, Neustadt an der Weinstraße, Karlsruhe 12. Januar 2026

 

Sehr geehrtes Mitglied des Europäischen Parlaments, sehr geehrtes Mitglied des ENVI-Ausschusses,

wie Ihnen bekannt ist, haben Rat und Parlament am 4. Dezember 2025 einen vorläufigen Kompromiss für eine Regelung der Neuen Genomischen Techniken (NGT) bei Pflanzen erzielt.

Auf der Sitzung des COREPER I am 19. Dezember 2025 stimmte eine qualifizierte Mehrheit der Mitgliedstaaten informell für diese Vereinbarung, die auf einem Entwurf des Rates vom 11. Dezember 2025 basiert und noch einer sprachlichen und rechtlichen Überprüfung unterzogen werden muss.

Nach unseren Kenntnissen werden Sie am 19. Januar 2026 über den NGT-Kompromissvorschlag diskutieren und abstimmen.

Die vier unterzeichnenden Verbände, die über Kenntnisse und Erfahrungen auf dem Gebiet der Pflanzenbiotechnologie verfügen, durften den Text der vorläufigen Vereinbarung, wie er vom Rat am 11. Dezember 2025 vorgelegt wurde, einsehen und prüfen. Am 15. Dezember haben wir den stellvertretenden Ständigen Vertretern der Mitgliedstaaten einen offenen Brief geschickt, in dem wir sie darauf aufmerksam gemacht haben, dass es im Interesse der Europäischen Union dringend erforderlich ist, dem Vorschlag zu zustimmen. Ferner ist es notwendig

(1) Definitionen für zwei Merkmale aufzunehmen, die aus der Kategorie NGT-1 ausgeschlossen werden sollen, nämlich „Herbizidtoleranz“ und „Produktion einer bekannten insektiziden Substanz“, und

(2) die Möglichkeit vorzusehen, dass die Kommission durch delegierte Rechtsakte Informationen oder Überarbeitungen zu Anhang Ia (in dem die von NGT-1 ausgeschlossenen Merkmale aufgeführt sind) bereitstellen kann.

Diesem Schreibe liegt ein offener Brief an Sie bei, zusammen mit einer Kopie des Schreibens vom 15. Dezember, das wir an die stellvertretenden Ständigen Vertreter geschickt haben und in dem wir Sie bitten, für die Kompromissvereinbarung vom 4. Dezember 2025 mit den von uns vorgeschlagenen kleinen Ergänzungen zu stimmen.

Die NGT-Gesetzgebung ist für europäische Landwirte, Pflanzenzüchter, Forscher und KMU dringend erforderlich, da sie eine widerstandsfähigere und nachhaltigere Landwirtschaft ermöglicht und neue Chancen für die biobasierte Wirtschaft insgesamt bietet.


Die Association Française des Biotechnologies Végétales (AFBV) ist eine unabhängige französische Nichtregierungsorganisation, die Personen mit unterschiedlichem Hintergrund zusammenbringt, die von den Vorteilen der Pflanzenbiotechnologie für Frankreich überzeugt sind, insbesondere im Hinblick auf die Entwicklung einer nachhaltigen Landwirtschaft.

Das Forum Grüne Vernunft (FGV) ist ein deutscher Verein, der sich für Gentechnik in der Pflanzenzüchtung einsetzt und aktiv versucht, die Akzeptanz in der Öffentlichkeit zu erhöhen.

Die Gesellschaft für Pflanzenbiotechnologie e.V. (GfPB) ist eine deutsche wissenschaftliche Gesellschaft, die Entwicklungen in der Grundlagenforschung und Anwendungen der grünen Biotechnologie verfolgt, wissenschaftliche Konferenzen und Workshops organisiert und zur Ausbildung, Schulung und Verbreitung neuer Erkenntnisse und Entwicklungen in der Pflanzenbiotechnologie beiträgt.

Der Wissenschaftskreis Genomik und Gentechnik e.V. (WGG) ist eine in Deutschland gegründete Nichtregierungsorganisation, die unabhängig organisiert ist und die gleichen Ziele wie die AFBV für Deutschland, Österreich und die Schweiz verfolgt. Die AFBV und der WGG arbeiten seit vielen Jahren eng zusammen.

Im Namen von AFBV, FGV, GfPB und WGG,

Mit freundlichen Grüßen,

Philippe Dumont (AFBV) und Prof. Dr. Klaus-Dieter Jany (WGG)

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